Welcome to the Buffyverse - Von Lebenden, (Un-)Toten und ungebrochener Relevanz

deadline for submissions: 
April 30, 2026
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Dr. Monika Weiß - Philipss-Universität Marburg

Die Erstausstrahlung von Buffy the Vampire Slayer 1997 auf The WB Television Network jährt sich im kommenden Jahr zum dreißigsten Mal. Die Serie hat die Populär- und Medienkultur der Jahrtausend-wende maßgeblich mitgeprägt und ist zugleich als Referenztext weit über diesen historischen Moment hinaus wirksam geblieben. Ihre anhaltende Relevanz beruht nicht zuletzt auf der ästhetischen und narrativen Verfasstheit: Genre-Hybridität, Intertextualität, ironisch-selbstreflexive Erzählverfahren sowie eine ausgeprägte figurale und narrative Komplexität machen sie noch heute zu einem beliebten Gegenstand kultur- und medienwissenschaftlicher Auseinandersetzung. Noch dazu gilt Buffy als ein Text, an dem sich zentrale Fragen und Methoden einer differenzierten Fernseh- und Serienanalyse exemplarisch erproben lassen (Auswahl: Grampp 2021, Pateman 2015, Kreider/Winchell 2010, Mittell 2006, Wilcox 2005, South 2003, Wilcox/Lavery 2002).  

Das Buffyverse verfügt bis heute über eine auffallend aktive Fangemeinde, deren Praktiken gewinnbrin-gender Gegenstand der Fan- und Partizipationsforschung sind: Online-Foren, Fanfiction und Fanvids, Rewatch-Kulturen und gegenwärtige Auseinandersetzungen um Kanon, Figurenpolitik und Autor*in-nenschaft verweisen darauf, dass es sich nicht nur um ein abgeschlossenes Fernsehphänomen handelt, sondern um ein anhaltend zirkulierendes und umkämpftes Medienphänomen, das in den Buffy Studies – inzwischen erweitert zu den Buffy+ Studies – ein eigenständiges und bis heute produktives interdiszi-plinäres Forschungsfeld gefunden hat. Mit fortwährenden Buchpublikationen sowie dem seit 2001 bestehenden Journal Slayage, heute Slayage: The International Journal of Buffy+, der Association for the Study of Buffy+ (https://buffystudies.org/) wächst insbesondere der englischsprachige Forschungs-korpus. Aber auch im deutschsprachigen Wissenschaftskontext ist seit den frühen 2000er Jahren eine kontinuierliche Auseinandersetzung zu verzeichnen (Auswahl: Grampp 2021, Rein 2019, Recht 2011, Beckmann et al. 2010, Simbürger 2010). Der geplante Sammelband knüpft anlässlich des genannten Jubiläums an diese Forschungstraditionen an, hat aber ebenso zum Ziel, neue thematische Akzente zu setzen. Im Sinne der Buffy+ Studies soll daher ausdrücklich neben der Kernserie das gesamte Buffyverse in den Fokus rücken – darunter das Spin-off Angel, ggf. die Comics, transmediale Erweiterungen und paratextuelle Konstellationen, aber auch die angebundenen Fankulturen sowie die institutionellen, produktionellen und diskursiven Kontexte der beteiligten Akteur*innen.

Eine solche Publikation erscheint gerade jetzt aus mehreren Gründen besonders lohnend: Erstens bietet es sich für 2027 an, nach 30 Jahren die historische Bedeutung, die ästhetische Eigenart und die wissenschaftliche Produktivität des Buffyverse erneut zu bilanzieren. Zweitens entsteht gerade durch die in 2025 angekündigte vermeintliche Hulu-Fortsetzung sowie die Mitte März 2026 von Sarah Michelle Gellar bekanntgemachte Absage dieser eine ganz neue Aktualität. Die ausgedrückte Vorfreude, in der Fangemeinde, bei den Darstellenden ebenso wie im internationalen (digitalen) Feuilleton, die sodann abgelöst wurde durch eine große Enttäuschung, eröffnet nicht nur Fragen nach Reboot-, Revival- und Markenpolitik, sondern auch nach Nostalgie, Fandiskurs, Plattformökonomien und Serialitätsgeschichte. Drittens lädt ein gegenwärtiger (Rück-)Blick auf das Buffyverse auch dazu ein, Produktionsbedingungen und Personenkult neu und kritisch zu bewerten (wie bereits Gur-Ze’ev 2024): Die öffentliche Debatte etwa um Joss Whedon und Vorwürfe problematischer bzw. prekärer Arbeits- und Machtverhältnisse am Set hat die Wahrnehmung seiner Produktionen nachhaltig verändert. Bei Analysen können also sowohl Fragen nach Macht und Missbrauch als auch nach postheroischer Kanonisierung und #MeToo in den Vordergrund rücken.

Erbeten sind Beiträge, die das Buffyverse in seiner ästhetischen, kulturellen, industriellen und/oder fanbezogenen Vielschichtigkeit diskutieren, es anlässlich des Jubiläums nicht lediglich als Gegenstand retrospektiver Würdigung behandeln, sondern gleichermaßen historisierend einordnen, theoretisch konturieren und kritisch befragen. Mögliche Themenfelder wären – jedoch keineswegs ausschließlich:

  • Das postmoderne Buffyverse: Genre-Hybridität, Intertextualität, Metareflexivität, Transmedialität
  • Analysen von Ästhetik, Motiven, Narration und Dramaturgie
  • Fragen nach Serialität, Fernsehästhetik, Plattformlogiken und Streaming
  • Feministische, queer-theoretische und intersektionale Perspektiven
  • Held*innenschaft, Weiblichkeits- und Männlichkeitsentwürfe, Körperbilder und Ambivalenzen
  • Monstrosität und Adoleszenz, Sex und Begehren
  • Religion, Ethik und Moral, Trauma und Gemeinschaft
  • Angel als Erweiterung oder Kontrasttext zu Buffy
  • Fankulturen, Fanpraktiken
  • Rewatching, Nostalgie und Wiederaneignung
  • Produktionsbedingungen sowie Autor*innenschaft: Joss Whedon, Personenkult, #MeToo und die Revision eines Kanons

 Erwünscht sind Beiträge aus allen Disziplinen mit Bezug zum Buffyverse und seiner medialen, kulturellen und/oder (gender-)politischen Relevanz.

Einreichungen:
Bitte senden Sie ein Abstract (300–500 Wörter) zzgl. Kurzbiographie bis zum 30. April 2026 an monika.weiss@uni-marburg.de. Rückmeldungen erfolgen voraussichtlich bis Ende Mai 2026. Die fertigen Beiträge sollen einen Umfang von 30.000–40.000 Zeichen inkl. Leerzeichen haben und werden bei Annahme des Abstracts bis Ende November 2026 erwartet (genauere Angaben folgen). Der Sammelband ist vorgesehen für die Schriftenreihe Fantastic TV, herausgegeben von Dr. Vera Cuntz-Leng bei Büchner-Verlag eG. Die Reihe nimmt „das Fantastische in audiovisuellen Medien in den Blick […]. Dabei legt Fantastic TV einen besonderen Fokus auf serielle Erzählwelten in TV und Stream und blendet auch die Rolle und Erfahrungen von Zuschauer_innen und Fans des Genres nicht aus“ (https://www.buechner-verlag.de/reihe/fantastic-tv/). Die Veröffentlichung ist geplant für Mitte 2027.

 

Literatur

Beckmann, Annika, et al. (Hg.) (2010): Horror als Alltag. Texte zu Buffy the Vampire Slayer.

Grampp, Sven (2021): Medienanalyse. Eine medienwissenschaftliche Einführung.

Gur-Ze’ev, Hila (2025): „three layers of cancelling in the Joss Whedon fan community“. In: Feminist Media Studies, 25, 8.

Kirby-Diaz, Mary (Hg.) (2009): Buffy and Angel Conquer the Internet: Essays on Online Fandom.

Kreider, Jodie A. / Winchell, Meghan K. (Hg.) (2010): Buffy in the Classroom: Essays on Teaching with the Vampire Slayer.Formularende

Levine, Elana / Parks, Lisa (Hg.) (2007): Undead TV. Essays on Buffy the Vampire Slayer.

Mittell, Jason (2006): Narrative Complexity in Contemporary American Television.

Pateman, Matthew (2015): The Aesthetics of Culture in Buffy the Vampire Slayer.

Rein, Katharina (2019): “Research, Slay, Repeat. Speicherung und Wiederholung in Buffy the Vampire Slayer“. In: Zeitschrift für Fantastikforschung 7, 1.

Simbürger, Manuel (2010): Queer Reading. Dekonstruktion von Heteronormativität in Buffy the Vampire Slayer.

South, James B. (Hg.) (2003): Buffy the Vampire Slayer and Philosophy. Fear and Trembling in Sunnydale.

Wilcox, Rhonda V. (2005): Why Buffy Matters: The Art of Buffy the Vampire Slayer.

Wilcox, Rhonda V. / Lavery, David (Hg.) (2002): Fighting the Forces: What’s at Stake in Buffy the Vampire Slayer.